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alltags-geschichte |
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Vorbemerkung:
Das Lesen des Buches »Personare« von Dr. Peter Orban und
Ingrid Zinnel hat mich
zu dieser Alltagsgeschichte inspiriert. In der Neuauflage
ist der Titel des Buches
»Die innere Tafelrunde«. Leopold, so wollen wir unseren Hauptdarsteller nennen, besucht in seiner Mittagspause das naheliegende Cafehaus, um Abstand vom Bürostress des Vormittags zu erlangen. Es ist ihm zum liebgewonnen Ritual geworden, die Tageszeitung im Cafehaus zu lesen und sich zu entspannen. Sein erster Weg führt Leopold an den Zeitschriftentisch. Natürlich würde jeder sagen, Leopold sucht sich die Zeitung aus. Jedoch ist es eine seiner inneren Personen, die wir hier den Leser nennen. Dieser »Leser« betrachtet interessiert die Auswahl und lässt seinen Blick über die Schlagzeilen schweifen, bevor er sich entscheidet. Zufrieden stellt Leopold fest, dass sein Stammplatz nicht besetzt ist. Er nimmt Platz und beginnt in der vorher ausgesuchten Zeitschrift zu blättern. Die innere Person des Lesers übernimmt die Hauptrolle auf der inneren Bühne. Was ist mit den anderen inneren Personen? Was tun die? Nun, eventuell schauen eine oder mehrere dem Leser »über die Schulter«. Wer kennt sie nicht, die inneren Stimmen, die beim Lesen eines Textes sich erregen oder den Verfasser verhöhnen, was er denn da wieder für einen Schwachsinn verzapft. Und es gibt Personen, die am Text oder Inhalt nicht die Bohne interessiert sind. Was interessiert das kleine Kind (auch eine innere Person), das der Erdölpreis gestiegen ist. Da die Aufmerksamkeit der anderen nicht geweckt wird, merken wir nichts von ihnen. "Guten Tag, was darf ich Ihnen bringen?", fragt die Serviererin (in unserer Geschichte heisst sie Nina). Diese wohlklingende Stimme mit dem gewissen Etwas weckt sofort das Interesse einer weiteren inneren Person. Eine zweite Person, die wir als den »Liebhaber« bezeichnen, tritt nun neben dem Leser in Erscheinung und beansprucht auf der inneren Bühne die Rolle des Hauptdarstellers. Nun sind schon zwei Personen auf der inneren Bühne im Spiel. Leopold setzt sein bestes Lächeln auf und lässt seinen Charme spielen. Er bestellt Kaffee und Kuchen und die innere Person des Liebhabers beginnt mit Nina zu flirten. Lächelnd entfernt sich Nina, um das Gewünschte zu bringen. Während Leopold ihr nachblickt und Ninas Kehrseite »studiert«, macht eine weitere Stimme in seinem Inneren auf sich aufmerksam:„Du gehst die Sache ja ziemlich direkt an“. Doch der Liebhaber lässt sich die Rolle des Hauptdarstellers nicht so einfach entziehen. Er verscheucht die mahnende Person ebenso schnell, wie er zuerst den Leser »abserviert« hat. Dem inneren Liebhaber geht es sehr gut. Auch Leopold fühlt sich wohl. Stress und Ärger vom Vormittag sind wie weggeblasen. Der interessante Artikel in der Zeitung ist ebenso verblasst, wie Kaffee und Kuchen. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt Nina und einer weiteren Gelegenheit, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Während Leopold seinen Gedanken »nachhängt«, taucht auf der inneren Bühne eine andere Person auf, die nach einer Zigarette verlangt. Bezeichnen wir sie als den Raucher. Der Raucher greift nach dem Päckchen Zigaretten und zündet sich eine Zigarette an. Nur kurz, solange das Anzünden, übernimmt er die Hauptrolle. Der Leser langweilt sich im Hintergrund und keiner bemerkt ihn. Leopold zieht genüsslich an der Zigarette und beginnt zu husten. Der Husten ist das Stichwort für das Erscheinen einer weiteren Person auf der inneren Bühne. Betrachten wir mal die Schauspieler, die sich bis jetzt auf Leopolds innerer Bühne versammelt haben. Es sind bereits vier: der Leser, der Liebhaber, der Raucher und der Mahner, der sich auf das Stichwort Husten bemerkbar gemacht hat. “Wann wirst du endlich mit der Qualmerei aufhören, merkst du nicht, dass es dir nicht gut tut“, mahnt er zwischen den Hustenanfällen. Wer von den geschätzten Lesern Raucher ist oder war, weiss, wie schnell und wirkungsvoll diese unangenehme Person des Mahners wieder in den Hintergrund verscheucht wird. Die soeben beschriebene Person des Mahners ist wahrscheinlich vielen von uns bekannt. Sie betritt meist dann die innere Bühne, wenn es z.B. um unseren Gesundheitszustand geht - wir sollten etwas tun oder lassen, aber verschieben es eben (immer wieder). Ja später, ab einem bestimmten Datum (Geburtstag, Neujahr oder anderes), da höre ich auf zu rauchen, aber nicht jetzt. So oder ähnlich könnte die Antwort lauten, mit der ich die Person des Mahners von meiner inneren Bühne verbanne. Leopold lächelt Nina entgegen, die Kaffee und Kuchen serviert. Der Liebhaber ist in Hochform und spricht Nina wegen ihrer schönen dunklen Augen an. Wenn wir Leopold jetzt beobachten würden, könnten wir sehen, dass er es sich nicht verkneifen kann, während Nina den Kaffee serviert und sich leicht herabbeugt, mit einem Auge in den Ausschnitt ihrer Bluse zu schielen. Ob Nina dieses »Schielen« bemerkt hat oder nicht, wissen wir nicht. Dass sie sich nochmals umdreht und Leopold aufmunternd zulächelt, bestärkt den Liebhaber in seiner Rolle. Leopold fühlt sich wie ein Sieger und ist bester Laune. Fort sind alle »dunklen Wolken« des Tages. Noch nie hat er besseren Kuchen und Kaffee genossen. Er widmet sich wieder seiner Zeitung und die innere Person des Lesers übernimmt wieder die Hauptrolle. Doch das Interesse an den Neuigkeiten aus aller Welt ist geschwunden. Leopold rechnet diesen Umstand mangelnder Konzentration zu, doch in Wirklichkeit ist eine weitere unbewusste Person auf seine innere Bühne getreten, die mit ihren eigenen Wunschbildern über Nina zwischen den Zeilen des Wirtschaftsteiles immer wieder auftaucht. Und die innere Person des Liebhabers »arbeitet« bereits an einer Taktik, um Nina zu einem Rendezvous zu überreden. Verlassen wir nun dieses seelische Bühnenstück, das der geschätzte Leser gerne fortsetzen kann. Viele Geschichten wie diese oder alltägliche Begebenheiten verlaufen meist harmlos. Wenn wir uns jedoch in die Situation eines anschwellenden Ehestreits versetzen, der ebenso in körperlicher Gewalt oder sogar Mordgedanken seine Fortsetzung finden kann, dann verläuft dieses innere Szenario meist tragischer als hier im Cafehaus ... Forum Seele und Astrologie www.f-s-a.at |